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Festschrift - 350 Jahre Gymnasium Feldkirch

Harald Walser (Herausgeber)

 

 

Die Festschrift ist erhältlich im Sekretariat des 

BG+BRG Feldkirch, 

Rebberggasse 25-27,

A - 6800 Feldkirch 

Tel. +435522/72368

 

Email: BG.Feldkirch@cnv.at

 

 

Die Anerkennung, die das Feldkircher Gymnasium in Vergangenheit und Gegenwart genossen hat und genießt, verhalfen der Schule auch in diesem Jahrhundert öfters durch schwierige Zeiten. Gerade heute gilt es, daran zu erinnern, dass die Existenz höherer Bildungsstätten nicht dem kurzfristigen Diktat leerer (Staats-)Kassen ausgeliefert sein darf. Sollen die Höheren Schulen des Landes ihrer Funktion gerecht werden, müssen sie personell und in Bezug auf ihre Infrastruktur dementsprechende Möglichkeiten haben. In der Vergangenheit - zunehmend aber auch in der Gegenwart - war und ist es um die finanziellen Ressourcen der Gymnasien nicht immer zum Besten bestellt. Auf Dauer gefährdeten und gefährden allzu rigide Sparmaßnahmen das bestehnde Schulsystem. Dabei ist die Bedrohung heute allerdings keineswegs so aktuell, wie sie es für das BG Feldkirch zu Beginn dieses Jahrhunderts war.

Das Feldkircher Gymnasium vor der Schließung:

 

Im Zuge von staatlichen Sparmaßnahmen, die in Zusammenhang mit der Völkerbundanleihe standen, sollte auch unsere Schule in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts "wegrationalisiert" werden. Bereits im 19. Jahrhundert hatte die Stadtgemeinde immer wieder Kosten übernehmen müssen, die vom Staat als dem formellen Schulerhalter nicht aufgebracht werden konnten. Zu den vordringlichsten Anschaffungen gehörten die Versorgung mit Holz und Wasser, aber auch die Ausstattung mit Möbeln und Lehrmitteln. Beim Ankauf von Lehrmitteln und bei der baulichen Instandhaltung der Schule halfen wohlhabende und schulfreundliche Bürger aus. Geldspenden waren dabei ebenso willkommen wie Sachspenden und kostenlose Handwerksarbeiten.

 

 

In der schwierigen Nachkriegszeit aber war das Problem nicht mehr so einfach zu lösen - die Gefahr der Auflassung des Gymnasiums somit sehr groß. Die Regierung Seipel hatte im Zuge von Sanierungsmaßnahmen über 100.000 Staatsangestellte entlassen oder in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Da die Schülerzahlen an den österreichischen Mittelschulen gegenüber der Vorkriegszeit schon um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen waren, wollte das Finanzministerium Ende 1922 auch die Zahl der Schulen verringern. Die Vorarlberger Landesregierung war nicht gegen diese Pläne. Landeshauptmann Otto Ender - wie Kurt Schuschnigg Zögling der Stalla Matutina - meinte in einer Eingabe an das Unterrichtsministerium, dass die an katholischen Internaten geleistete Unterrichts- und Erziehungssarbeit wesentlich höher einzuschätzen sei als die an staatlichen. Dies richtete sich zwar in erster Linie gegen die beiden anderen staatlichen Mittelschulen des Landes - die Dornbirner Realschule und das Bregenzer Gymnasium -, war aber als Argument auch gegen die alterwührdige Feldkircher Bildungsstätte gerichtet. Innerhalb der Feldkircher Bevölkerung kam es zu scharfen Protesten gegen die Pläne der Regierung. Schuldirektor Karl Winter verstand es sehr gut, die Bevölkerung und den Stadtrat für seine Bemühungen um den Weiterbestand des Gymnasiums zu begeistern. In einer Volksversammlung im Saalbau am 22. April 1923 wurde eine Resolution für den Weiterbestand des Gymnasiums verabschiedet. Bürgermeister und Stadtrat setzten sich zudem gemeinsam beim Landesschulrat und im Unterrichtsministerium für den Weiterbestand der Schule ein. Was schlussendlich ausschlaggebend für die Zurücknahme der angekündigten Pläne war, ist auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Quellen nicht exakt nachvollziehbar. Die heftigen und erfolgreichen Reaktionen von Bevölkerung und verantwortlichen Politikern zeigen aber, dass das Gymnasium zu einem selbstverständlichen Teil der Stadt Feldkirch geworden war. 

Die Situation heute ist für höhere Schulen im Allgemeinen und das Feldkircher Gymnasium im Besonderen nicht existenzbedrohend - im Gegenteil: der gegenwärtige Ausbau unserer Bildungsanstalt ist als Schritt in die richtige Richtung zu verstehen. 

 

Der notwendige Bau einer zweiten Langform der AHS allerdings kann dadurch nicht kompensiert werden. 

Für das BGF würde das zu einer längst notwendigen Entlastung führen und wäre ein weiterer Meilenstein in der Schulgeschichte Feldkirchs, ein Anlass zum Feiern - im nächsten Jahrhundert.

Die 300- Jahr - Feier :

 

 

Im 20. Jahrhundert gab es zwei große Anlässe zur Reflexion und Neuorientierung für das Feldkircher Gymnasium. 1949 wurde in einer dreitägigen Feier alässlich des 300-jährigen Bestehens und 1999 in einer Vielzahl unterschiedlichster und über das ganze Jahr verteilter Veranstaltungen anlässlich des 350. "Geburtstages". Die Feierlichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg waren in schulischer Hinsicht wie die ganze Zeit geprägt von einer Rückbesinnung auf die Zeit vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Das humanistische Bildungsideal fand seinen Ausdruck in einer Schulaufführung des Sophokles-Dramas "Philoktet" im Festsaal der Stella Matutina. Das im Jahre 409 vor Christus uraufgeführte Werk des griechischen Dramatikers schildert das Schicksal des hellenischen Fürsten Philoktet, der wegen einer Verunstaltung aus dem Kreis der griechischen Helden ausgestoßen wurde und zehn Jahre lang auf der einsamen Insel Lemnos ein kümmerliches Dasein fristen musste. Ein Seher verkündete den Griechen den Willen der Götter: Troja werde erst fallen, wenn Phlioktet in ihrem Heer mitkämpfe, und so musste Odysseus versuchen, den Krieger wieder für die griechische Sache zu gewinnen. Eine Buch- und Zeichausstellung verwiesen einerseits auf die lange Tradition der Schule und ihre große und bemerkenswerte Bibliothek mit vielen kostbaren Exemplaren, andererseits auch auf die kreativen Aktivitäten am Gymnasium. Beides rundete zusammen mit einer großen Festversammlung die Feierlichkeiten zu Pfingsten 1949 ab.

 

 

 

Die 350- Jahr - Feier

 

 

350 Jahre Gymnasium in Feldkirch Heuer versuchte die Schulgemeinschaft am BG Feldkirch, eine Bildungsstätte zu präsentieren, die sich den Herausforderungen der Gegenwart stellt, genauso aber eine bewusste Rückbesinnung auf die lange Tradition der Schule vornimmt. Die Veranstaltungsreihe begann am 18. März mit einem großen Festabend und über 1000 Besuchern im Montforthaus. Eine Schüleraufführung von Goethes "Urfaust" unter der Regie von Prof. Gerhard Fetka erinnerte einerseits an den 250. Geburtstag des Dichters, andererseits aber auch daran, dass dieses Werk wohl die umfassendste und faszinierendste Auseinandersetzung mit dem in mehrfacher Hinsicht "nach Höherem" strebenden Menschen ist. Faust ist in dieser Hinsicht quasi der Prototyp des erkenntnishungrigen Menschen. Die insgesamt sechs Aufführungen im April und Mai wurden vom Publikum hervorragend aufgenommen. Ein musikalisches Großereignis war die Aufführung des Musicals "Heat" von Gerold Amann. Dieses internationale Kulturprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Ural-Assoziation in einem Gala-Abend und mehreren Schüler-Aufführungen nicht nur anlässlich unseres Jubiläums, sondern auch anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Musikgymnasiums Feldkirch der heimischen Bevölkerung präsentiert. "Künstler aus dem BGF" war der Titel einer Ausstellung im Pförtnerhaus. LehrerInnen und ehemalige SchülerInnen des Gymnasiums präsentierten in einer beeindruckenden Leistungsschau drei Wochen lang ihre Werke. Auch die Kreativität der SchülerInnen war gefragt: Im Juni gestalteten alle 32 Klassen des Gymnasiums ein Schaufenster eines Feldkircher Innenstadtgeschäftes. Bei dem von der Schulgemeinschaft durchgeführten großen Marktgassenfest am 2. Juli - es erstreckte sich über den alten Gymnasiumhof und die Marktgasse und dauerte den ganzen Tag über - wurden die am besten gelungenen Arbeiten prämiert. Ebenfalls noch vor der Sommerpause zeigten oder besser "erzählten" die Ausstellungsmacher Bruno Winkler und Oskar Möller in den Räumlichkeiten des Palais Liechtenstein vier Wochen lang "Geschichten aus der Kiste". Diese Ausstellung zur Schulgeschichte dokumentierte in gekonnter Reduktion auf das Exemplarische wesentliche Ereignisse und Schicksale einzelner Persönlichkeiten aus der Geschichte des Gymnasiums.

 

 

Die Uraufführung des Singspiels "Ade, verböste Welt" 

von Laurentius von Schnifis im November unter der Regie von Gerhard Fetka, der musikalischen Leitung von Gerold Amann und der Gesamtleitung von Josef Amann war ein weiterer kultureller Höhepunkt dieses "Festjahres". Laurentius studierte übrigens im 16. Jahrhundert an unserer Schule. Die Geschichte des Feldkircher Gymnasiums war aber nicht nur geprägt von künstlerischen Aktivitäten, immer wieder haben LehrerInnen und ehemalige SchülerInnen der Schule auch im wissenschaftlichen Bereich weitum anerkannte Leistungen vollbracht. Die Liste führt von Laurentius von Schnifis über Dr. Anton Schneider, den Aufklärer und Führer des Aufstandes gegen die Franzosen, den Historiker Joseph von Bergmann bis zu etlichen Künstlern und Wissenschaftlern im 20. Jahrhundert. Über viele Persönlichkeiten ist unter anderem auch in der vorliegenden Festschrift einiges zu erfahren. Auf die vergangenen Epochen wurde in der erwähnten Ausstellung eingegangen. Dass es auch in der Gegenwart bemerkenswerte Persönlichkeiten unter den Schulabsolventen gibt, war aus den Vorträgen der Reihe "Ehemalige SchülerInnen" zu erkennen. Von Mai bis November gewährten fünf ehemalige "BGFler" einen Einblick in ihr Schaffen: die Ägyptologin Regina Hölzl, der Schriftsteller Michael Köhlmeier, Bischof Erwin Kräutler, der Physiker Kurt Tiefenthaler und der Astrophysiker Michael Breitfellner. Schließlich zeigt auch die vorliegende Festschrift, dass das BG Feldkirch nach wie vor nicht nur eine Stätte der Lehre, sondern auch eine der Forschung ist. Der vorliegende Band will über eine reine Nabelschau hinausgehen, obwohl natürlich die Geschichte der Schule in vielen Beiträgen thematisiert wird. Die Mehrzahl der insgesamt 13 AutorInnen untersucht aber Aspekte, die über den engen Horizont der Schule weisen. Das Verbindende aller Aufsätze ist schlicht die Tatsache, dass die AutorInnen in irgend einem Naheverhältnis zum Gymnasium des "Studierstädtles" stehen: als ehemalige SchülerInnen, Lehrer oder durch den Forschungsgegenstand.

 

 

Die vorliegende Festschrift

 

 

Dietmar Hagn beleuchtet in seiner umfangreichen und äußerst präzisen Untersuchung der Ruinen einer römischen Villa in Rankweil-Brederis nicht nur das Leben der Menschen auf so einem Landgut, sondern auch die wirtschaftliche und verkehrsgeographische Bedeutung - etwa als Nahrungsmittellieferant für eine nahe Poststation. Seine Arbeit vermag daher auch Aufschlüsse zu geben über die in letzter Zeit heftig diskutierte Bedeutung von Clunia.

Eine biographische Skizze von Karl Heinz Burmeister über den Feldkircher Arzt und Humanisten Ulrich Krayer führt uns jene große Bildungstradition der kleinen Stadt an der Ill vor Augen, die schließlich ja auch mit verantwortlich dafür war, dass in diese Stadt 1649 das einzige Gymnasium der Diözese Chur kam. 

Regina Hölzl hat als ehemalige Schülerin im Jubiläumsjahr einen Vortrag über ihr Wirken als Ägyptologin gehalten und schildert in ihrem Beitrag in großen Zügen die Entwicklung ihrer Wissenschaft in den letzten 200 Jahren - und den österreichischen Anteil an der relativ jungen Disziplin. 

Bischof Erwin Kräutler, ebenfalls ein ehemaliger Schüler und Referent im Rahmen der 350-Jahr-Feiern, vermag schon allein durch sein persönliches Beispiel und seine Tätigkeit in Brasilien zu beeindrucken. Sein Beitrag schildert die Aufgabe eines Theologen und Humanisten in der heutigen Zeit. 

Die kurze Untersuchung von Werner Nagel schließlich zeigt, dass sich die Aufgaben des Latein-Unterrichts in einer sich ständig wandelnden Welt ebenfalls andere geworden sind - sie können ein Beitrag sein zum Verstehen fremder Kulturen. Ein inhaltlicher Schwerpunkt dieser Festschrift sind natürlich Aspekte aus der Geschichte der Schule. 

Gerhard Winkler setzt sich intensiv mit den Anfängen der Schule im 17. und 18. Jahrhundert auseinander und präsentiert neben Bekanntem auch neue Sichtweisen auf die Entwicklung der ehemaligen "Jesuitenschule". 

Christoph Volaucnik schildert in seinem Beitrag, wie sich die Schule im ausgehenden 19. Jahrhundert den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen gestellt hat. Liberale und Konservative waren damals bestrebt, ihren Einfluss auf die Ausbildungsstätte der künftigen Landeselite zu verstärken, was naturgemäß zu erheblichen Spannungen geführt hat. 

Das sind auch die Ergebnisse von Christoph Vallaster, der für seinen Artikel einen biographischen Zugang gewählt hat und in knapper Form einige Persönlichkeiten näher vorstellt. Er konnte dabei auf sein eigenes reiches publizistisches Schaffen zurückgreifen. 

Für Michael Weber hingegen bedeutete die Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Gymnasialdirektor Dr. Viktor Perathoner das Betreten von "historischem Neuland" und das Aufarbeiten eines Teiles der Familiengeschichte, denn Perathoner war sein Ururgroßvater. 

Ins 20. Jahrhundert führt uns Siegfried Bertsch, der sich mit den ersten Schülerinnen und Lehrerinnen am Feldkircher Gymnasium beschäftigt hat - eine Arbeit, die einen zähen Forscher benötigte, denn die Quellen waren weit verstreut und nur schwer zu finden. 

Auf eine jahrhundertealte Feldkircher Tradition macht Annette Bleyle aufmerksam. Am Beipiel von Dr. Ignaz Hammerer schildert sie, wie ein talentierter Schüler aus ärmlichen Verhältnissen sein Studium am Feldkircher Gymnasium "finanzieren" konnte: als einer der letzten "Kostgänger" bei verschiedenen Familien. 

Karlheinz Albrecht schreibt über die wertvolle Bibliothek des BGF. Er kann dabei auf die Vorarbeiten von Albert Brüstle in der Festschrift von 1949 zurückgreifen und setzt seinen Schwerpunkt auf die seither gemachten neuen Erkenntnisse über wertvolle Inkunabeln und Handschriften im Besitz der Schule. 

Harald Walser schließlich schildert an drei Schicksalen, wie sich die nationalsozialistische Gewaltherrschaft auf Schüler des Gymnasiums ausgewirkt hat: Sie alle fanden den Tod - auf dem Schlachtfeld, im Konzentrationslager und unter dem Henkerbeil.

 

 

All diese Beiträge verdeutlichen ebenso wie die gesamte Veranstaltungsreihe dieses Jahres, dass sich das Gymnasium nicht nur seiner langen Tradition besinnt, sondern auch nach 350 Jahren der Gegenwart stellt und nach wie vor einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass Feldkirch das "Studierstädtle" Vorarlbergs bleibt.

 

 

Aus über 80 Titeln wurde unsere Festschrift 350 Jahre Gymnasium Feldkirch (Hsg. Dr. H. Walser) vom Hauptverband des Österr. Buchhandels als eines der schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet. Gratulation an die Autoren und den Verlag!