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Schulbesuch als größter Wunsch

Die Klassen 5A, 5B und 7B besuchten am Mittwoch, 26. April 2017, einen Vortrag von Karim El-Gawhary

Der Journalist und Nahostexperte eröffnete seinen Vortrag an der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Feldkirch (BAfEP) mit berührenden Schicksalen von Flüchtlingen, etwa jenes einer vierfachen Mutter. Das Schiff, auf dem sie sich mit ihren vier Töchtern bei der Flucht vom ägyptischen Alexandria nach Italien befunden hatte, ist gesunken. Im Wasser treibend, musste sie zusehen, wie die jüngeren drei Töchter ertrunken sind, weil sie nur eine Schwimmweste hatten. Oder der 13-jährige Ibrahim, dessen Mutter auf der Flucht direkt neben ihm erschossen wurde. Er antwortete Karim El-Gawhary, der ihn unmittelbar danach getroffen hatte, auf die Frage, was er in Europa mit seiner Mama gemacht hätte: "Mein größter Traum wäre, endlich wieder in die Schule gehen zu können."

 

Karim El-Gawhary, der seine Ausführungen auf einen kurzen Vortrag beschränkte und dann überwiegend Fragen der Zuhörer beantwortete, betonte in seinen eineinhalbstündigen Ausführungen:

  • Hinter den anonymen Zahlen der Flüchtlinge stehen Menschen mit zum Teil harten Schicksalen.
  • Das Schicksal der arabischen Welt ist eng mit den Entwicklungen im benachbarten Europa verflochten: Ob Flüchtlinge kommen, ist nicht die Frage, die Frage ist, wie wir damit umgehen. Denn die Verzweiflung auf "seiner" Seite des Mittelmeeres ist immer ein paar Zentimeter höher als die Mauern und Hürden, die errichtet werden.
  • Es erfordert eine realistische Betrachtung und Diskussion der Ereignisse. Die Aufgabe, vor der wir alle stehen, ist aber sehr schwierig.
  • Bildung ist ein wesentlicher Schlüssel für Integration.
  • Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern eine Krise der Flüchtlingspolitik, ein Problem der Solidarität.

 

 

Karim El-Gawhary leitet seit 2004 das Nahostbüro des ORF in Kairo (Ägypten). Neben seiner Tätigkeit beim ORF arbeitet er als Nahost-Korrespondent für elf deutschsprachige Zeitungen.